Der Beutel zum Band des Eisernen Kreuzes 2. Klasse
Ein unscheinbares Stück Verpackungsgeschichte
Zellstoffbeutel für verschiedene Auszeichnungen sind zunächst nichts Ungewöhnliches. Auf meinem Blog habe ich beispielsweise bereits Zellstoffbeutel für das Infanteriesturmabzeichen gezeigt (klick hier). Darüber hinaus sind solche Beutel auch für andere Auszeichnungen bekannt, etwa für die Medaille Winterschlacht im Osten (Ostmedaille
klick hier), das Verwundetenabzeichen (VWA), das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse (KVK) und das Eiserne Kreuz 2. Klasse (EK 2).
Neben dem EK 2 gibt es noch zwei weitere Auszeichnungen,u von denen nur das Band an der Uniform getragen wurde. Dies war das KVK 2. Klasse und die Ostmedaille. Zellstoffbeutel für die Bänder dieser Auszeichnungen sind aber nicht bekannt. Beschäftigen wir uns daher zunächst mit dem Beutel zum Band zum Eisernen Kreuz.
Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes am 1. September 1939 erneut eingeführt. Nach der Verleihung wurde das eigentliche Kreuz nur am Tag der Verleihung oder an der großen Ordensspange getragen. Im täglichen Dienst wurde stattdessen das Band am zweiten Knopfloch der Uniform getragen.
Damit besaß das Band eine wesentlich größere praktische Bedeutung, als es der erste Blick auf das eigentliche Kreuz vermuten lässt. Entsprechend mussten auch die Bänder hergestellt, konfektioniert, verpackt und an die jeweiligen Abnehmer geliefert werden.
Der hier vorgestellte Beutel ist besonders interessant, weil er gleich zwei Herstellerangaben trägt: Zum einen den Hersteller des darin enthaltenen Bandes, Carl Knoblauch, Seidenbandfabrik, Berlin, und zum anderen den Hersteller des Beutels, Ernst C. Behrens, Alfeld.

Besonders auffällig ist dabei nicht nur der Aufdruck des Bandherstellers Carl Knoblauch.

Sondern auch die Kennzeichnung des Herstellers des Zellstoffbeutels: Ernst C. Behrens aus Alfeld.

Laut Firmenchronik wurde das Unternehmen am 1. Juli 1860 unter der Firmierung Bode & Behrens von Ernst C. Behrens und seinem späteren Schwager Friedrich Bode gegründet. Das Unternehmen firmierte als Fabrik für „… Düten, Beutel, Kapseln, Gouverts, Schreibhefte, Gonto- & Copierbücher – Fabrik, verbunden mit Etiquetten & Steindruckerei“.

Das Hauptabsatzgebiet bildeten unterschiedliche Arten von Beuteln – so die offizielle Bezeichnung, im Gegensatz zur umgangssprachlichen Bezeichnung „Tüten“ – für Apotheken, Zigarrenfabrikanten und Lebensmittelhändler.
Der technische Fortschritt ermöglichte dem Unternehmen bereits in den 1870er Jahren die Anschaffung einer Klebe- und Papierverarbeitungsmaschine. Dadurch konnten die Herstellungskosten gesenkt und die eigenen Erzeugnisse günstiger angeboten werden. Gleichzeitig wurde aber weiterhin auch auf Heimarbeit gesetzt.
Weitere Investitionen, darunter der Bau einer Dampfmaschine, die Vergrößerung der Lithographie sowie der Bau und die Erweiterung des Lagerhauses, zeigen die positive wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Selbst während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren wurde weiter in Maschinen investiert.
In den 1930er Jahren setzte sich der Aufschwung fort. Während des Zweiten Weltkriegs wurden schließlich auch neue Erzeugnisse hergestellt, darunter Luftschutzbeutel, Verpackungen für die Truppenverpflegung und Verpackungen für Munition. Zu diesen kriegsbedingten Erzeugnissen gehörte auch der hier gezeigte Zellstoffbeutel.
Vor diesem Hintergrund ist die Herstellung eines kleinen Zellstoffbeutels für ein Auszeichnungsband keineswegs ungewöhnlich. Sie lässt sich vielmehr in das breite Produktionsspektrum eines Unternehmens einordnen, das auf die Herstellung unterschiedlicher Papier- und Verpackungserzeugnisse spezialisiert war.

Carl Knoblauch ist als Hersteller von Bändern für verschiedene Auszeichnungen bekannt und war sicherlich einer der führenden Hersteller im Bereich der Ordensbänder.
In dem folgenden Dokument der Firma Carl Knoblauch finden sich mehrere interessante Hinweise im Hinblick auf den vorgestellten Zellstoffbeuteln. Sie betreffen unter anderem die produzierten Mengen der Beutel, die direkte Belieferung von Herstellern sowie der Präsidialkanzlei. Darüber hinaus geben die Unterlagen Hinweise auf die Wiederverwendung der Beutel.
Besonders interessant ist jedoch ein anderer Aspekt: Die Dokumente liefern einen Nachweis dafür, dass Bänder für das Eiserne Kreuz 2. Klasse noch bis mindestens Mitte 1941 Verwendung fanden.
Diese Information ist deshalb interessant, weil sie eine zeitliche Einordnung ermöglicht, die sich allein anhand eines erhaltenen Beutels kaum vornehmen lässt. Ein heute erhaltenes Exemplar besitzt logischerweise keine eindeutige Datierung. Erst durch die Kombination aus Herstellerangaben und archivalischen Unterlagen lässt sich eine solche Verpackung in den historischen Produktions- und Lieferzusammenhang einordnen.
Genau hier liegt meines Erachtens der besondere Wert solcher Dokumente: Nicht das einzelne Stück allein liefert die vollständige Information. Erst die Verbindung von Objekt und schriftlicher Quelle ermöglicht eine genauere Rekonstruktion.
In diesem Schreiben wird Bezug auf die Länge der Bandabschnitte mit 30 cm, der Hinweis auf die Verwendung der Zellstoffbeutel (hier auch Tüten genannt) und dem Preis Bezug genommen.
Doch wie genau sahen diese Zellstoffbeutel eigentlich aus? Auch auf diese Frage findet sich eine Antwort in den Beständen des Bundesarchivs.
Im Rahmen meiner Recherchen zu diesem Artikel konnte ich allerdings immer nur Beutel in der hier gezeigten Ausführung finden. Es ist daher zu vermuten, dass das Problem mit der Papierbeschaffung relativ zeitnah gelöst wurde und letztlich nur ein Typ dieses Zellstoffbeutels geliefert wurde.
Gerade die Kombination aus dem Herstelleraufdruck „Carl Knoblauch“ für das Band und der Herstellerangabe „Ernst C. Behrens, Alfeld“ auf dem Zellstoffbeutel macht dieses unscheinbare Verpackungsmaterial zu einem interessanten Beleg. Warum solche Zellstoffbeutel nur für das Band zum EK 2 hergestellt wurden und nicht z.B. für das Kriegsverdienstkreuz bleibt zur Zeit noch unbekannt. Das es einen solchen Zellstoffbeutel nicht für die Winterschlacht im Osten gibt, erklärt sich vielleicht mit der im späteren Kriegsverlauf verschärften Rohstofflage.
Zum Abschluss noch ein Schreiben der Firma Klein und Quenzer. Da die Firma keine weitere Verwendung für die Beutel hatte wurde angefragt was mit der großen Menge der Beutel passieren soll. Ganz im Sinne der Wirtschaftlich- und Nachhaltigkeit (Rohstoffe waren bzw wurden knapp) wurden diese wieder an die Firma Knoblauch zur Weiterverwendung zurückgeschickt
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